Fotos: Foodtura / Holger Menzel
Hülsenfrüchte sind echte Allrounder der Ernährungswende. Sie liefern pflanzliches Protein und Ballaststoffe, können zur Vielfalt auf dem Acker beitragen und sind ein wichtiger Baustein für eine stärker pflanzenbasierte Ernährung. Trotzdem landen Bohnen, Linsen, Erbsen und Kichererbsen noch viel zu selten dort, wo sie eigentlich hingehören: auf unseren Tellern.
Was es braucht, damit sich das ändert? Nicht nur gute Argumente, sondern vor allem gute Gerichte, neugierige Köch:innen, regionale Lieferketten und Menschen, die Lust darauf haben, gemeinsam etwas zu bewegen.
Genau darum ging es beim Heldenbohne Dinner in der Frankfurter Freitagsküche.
Erst diskutieren, dann probieren
Bevor am Abend die ersten Teller serviert wurden, ging es beim Küchenstammtisch um die praktische Seite der Ernährungswende. Fachleute aus Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung tauschten sich darüber aus, wie ressourcenschonendere Menüplanung gelingen kann und welche Rolle mehr pflanzenbasierte Gerichte – insbesondere Gerichte mit Hülsenfrüchten – dabei spielen.
Dabei ging es um ganz konkrete Fragen:
- Wie können Tischgäste für neue Gerichte begeistert werden?
- Wie lassen sich regionale Produkte stärker in den Küchenalltag integrieren?
- Wie können Beziehungen zu regionalen Erzeuger:innen und Anbieter:innen entstehen?
- Und wie können regionale Wertschöpfungsketten wachsen, ohne einzelne Akteur:innen mit zusätzlichen Anforderungen zu überfordern?
Denn regionale Ernährungssysteme entstehen nicht von allein. Sie brauchen Austausch, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Beim anschließenden Dinner konnte dann direkt erlebt werden, wie eine pflanzenbetonte und regionale Küche aussehen – und vor allem, wie sie schmecken kann.
Hülsenfrüchte können mehr als Eintopf
Benjamin Hübner von Sprezzatura hatte ein mehrgängiges veganes Menü zusammengestellt, das die Vielseitigkeit von Hülsenfrüchten eindrucksvoll auf den Teller brachte.
Auf dem Menü standen unter anderem:
- Crostini mit weißer Bohnencreme
- Kichererbsen-Focaccia
- Belugalinsensalat
- Panisse
- Erbsenhummus
- spanischer Kichererbseneintopf
Zum Abschluss gab es eine besondere Überraschung: weißes Bohneneis mit weißer Schokolade, Mohncreme und Beeren.
Das Menü zeigte eindrucksvoll, dass Hülsenfrüchte weit mehr können als Eintopf oder Beilage. Sie können Hauptdarsteller sein – kreativ, vielfältig und genussvoll.
Zwischen den Gängen: Bohnenwissen
Zwischen Vorspeisen und Hauptgang wurde gerätselt. Beim Heldenbohne Pub Quiz traten 18 Teams in den Kategorien „Auf dem Feld“, „Auf dem Teller“ und „Trivia“ gegeneinander an.
Dabei ging es unter anderem um die besondere Rolle von Hülsenfrüchten in der Landwirtschaft, ihre gesundheitlichen Vorteile und den Flächenbedarf verschiedener Proteinquellen.
Auch hier wurde deutlich, welches Potenzial in einer stärker pflanzenbasierten Ernährung steckt: Die Daten von Poore und Nemecek weisen für 100 Gramm Protein im globalen Durchschnitt einen Flächenbedarf von rund 2,2 m² für Tofu, 3,4 m² für Erbsen und 163,6 m² für Rindfleisch aus. Die Zahlen machen sichtbar, warum die Frage nach unterschiedlichen Proteinquellen auch eine Frage der Flächennutzung und damit der Ernährungswende ist.
Von der Wertschöpfungskette auf den Teller
Das Dinner hat gezeigt, wie viele Menschen und Bereiche dazugehören, damit regionale Hülsenfrüchte ihren Weg auf unsere Teller finden.
Mit am Tisch saßen Menschen aus Gastronomie, Außer-Haus-Verpflegung, Großhandel, Verarbeitung und Landwirtschaft ebenso wie interessierte Frankfurter:innen. So trafen Menschen, die regionale Ernährungssysteme gestalten, auf diejenigen, für die diese Systeme am Ende gemacht sind: Menschen, die einkaufen, kochen, essen und genießen.
Genau hier setzt Heldenbohne an: Das Projekt möchte regionale Hülsenfrüchte stärker in die menschliche Ernährung bringen, Akteur:innen miteinander vernetzen und gemeinsam Lösungen entwickeln, die in der Praxis funktionieren.
Denn Ernährungswende findet nicht nur auf dem Acker statt.
Sie findet auch in Küchen statt. In neuen Kooperationen. In regionalen Wertschöpfungsketten. Und natürlich am Esstisch.
Und manchmal beginnt sie eben mit einem guten Abendessen. 🫘🌱
Über Heldenbohne
Das Projekt Heldenbohne wird im Rahmen des Modellregionenwettbewerbs „Besser essen in der Region“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert.





