Bio und regional lohnt sich: Schwarz-Weiß-Denken hilft nicht

Sieht man sich in Frankfurt um, so entstehen immer weitere „alternative“ Möglichkeiten der Lebensmittelerzeugung und Vermarktung. Von Joerg Weber, Vorstandssprecher der Bürger AG für regionales und nachhaltiges Wirtschaften

Derzeit gibt es in der Stadt die Genossenschaft „Die Kooperative“, mindestens vier Solidarische Landwirtschaften (SOLAWI), Urban Gardening Projekte wie das von den Gemüseheld:innen und anderen, aber natürlich auch Erzeugermärkte („Konsti“) und Wochenmärkte. Hinzu kommen kleinere und größere Hofläden in unmittelbarer Umgebung oder den umliegenden Landkreisen, wie auch die herkömmlichen Einzelhändler:innen, soweit diese regionale Ware verkaufen.

Viele der Produkte werden von den Verbraucher:innen ganz umweltfreundlich mit dem Fahrrad an sogenannten Depots, die im Stadtgebiet verteilt sind, abgeholt. Darüber hinaus flitzen zunehmend mehr Lastenräder mit Gemüse, Obst und Salat durch die Stadt.

Es lohnt sich

Es lohnt sich, auch in Frankfurt auf Bio-Produkte zu setzen, weil sie eine gesündere und nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen Produkten darstellen. Bio-Produkte stammen aus einem ökologisch nachhaltigen Anbau und werden ohne den Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln hergestellt. Zudem sind Bio-Produkte in der Regel frischer als herkömmliche Produkte, da sie nicht so lange transportiert werden müssen. Außerdem sind Bio-Produkte in der Regel frei von gentechnisch verändertem Saatgut, was ebenfalls ein Vorteil ist.

Darüber hinaus unterstützen sie die lokale Landwirtschaft und die verschiedenen Bauernhöfe in der Region, was für die Gesellschaft insgesamt sehr vorteilhaft ist. Kurz gesagt, es lohnt sich, in Frankfurt auf Bio-Produkte zu setzen, weil sie gesundheitsfördernd, nachhaltig und unterstützungswert sind.

Für Gemüse-Anbau fehlen Flächen

Aber können wir denn auch eine immer größer werdende Zahl an Verbraucher:innen in Frankfurt bedienen? Die Antwort ist ganz klar, bisher NEIN. Denn wenn es auch so aussieht, als würden überall bioregionale Produkte verkauft, so trügt dieser Schein, denn es gibt leider immer noch viel zu wenige Flächen für den Anbau in größeren Mengen. Dies vor allem bei den bestehenden Landwirten in der näheren Region.

Während Biobauern und -Bäuerinnen sehr oft größere Gemüsefelder anlegen, so ist das in der konventionellen Landwirtschaft noch nicht der Fall. Da dominiert der Anbau von Mais, Weizen, Raps oder Zuckerrüben. Und bisher können sich viele Bäuer:innen auch noch nicht vorstellen, den aufwendigeren Gemüse- und Obstanbau zu forcieren, auch weil sie die kleinteilige Vermarktung oftmals nicht mehr kennen. Ganz im Gegenteil dazu die Bio-Höfe, die oft ihre Nische bereits gefunden haben.

Jeder Hof zählt: Schwarz-Weiß-Denken hilft nicht

Doch kann das so bleiben? Erneut NEIN, denn der Klimawandel und der Artenschwund erfordern ein rasches Umdenken in der Landwirtschaft. Auch viele der konventionell genannten Betriebe fangen an, sich zu „ökologisieren“, also weniger Pestizide und weniger synthetischen Dünger zu nutzen sowie auch wieder vermehrt zu hacken. Wir alle müssen aufhören in schwarz und weiß zu denken, das gilt für die Verbraucher:innen, aber auch für die konventionellen Bäuer:innen.

Jeder Hof zählt hierbei und wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass wir die Bürger:innen in Frankfurt und den umgebenden Landkreisen, mit gesunden und ausreichend vorhandenen Lebensmitteln aus der Region versorgen. Hierzu bedarf es mehr Gespräch untereinander, mehr guter Beispiele wie die oben angeführten und vor allem mehr Denken in Grau- und Bunttönen. Alle für ein Ziel, nämlich dem Klimaschutz und der Artenvielfalt mehr Raum geben und gleichzeitig die Versorgung unserer Gesellschaft mit Produkten des täglichen Bedarfs aus der Region fördern.

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